Internetrecherche

Eine Internetrecherche ist in der Regel umfangreicher, als dem meisten bewusst ist. Um dies zu verdeutlichen, möchte ich Ihnen drei Fallbeispiele vorstellen …

Vorweg ein wichtiger Hinweis: In jedem der aufgeführten Beispiele war bzw. ist mindestens ein Fachanwalt involviert.

1. Beispiel: Recherche über tatsächliche Verkaufszahlen eine „Lernsystems“
2. Beispiel: Fragwürdige Firmen vs. Opfer, die sich (nicht nur) im Internet dagegen zur Wehr setzen.
3. Beispiel: Nachlassrecherche im Internet

Diese Beispiele bilden nur ein Teil dessen, was mit einer Recherche im Internet noch möglich ist. Ob es um markenrechtliche Belange vs. Domainnamen oder die Überprüfung von Mitarbeitern geht, das Internet bietet heutzutage mehr Antworten als den meisten bekannt ist.



Recherche im Bereich Urheberrecht  nach oben
  • Recherchegegenstand: Lernsysteme für den medizinischen Bereich
  • Auftraggeber: Autor und Gestalter des Systems
  • Hintergrund: 2005 erhielt der Autor auf seine Frage an den Verlag, ob und in welcher Menge sein Lernsystem verkauft wurde, die Antwort, „es werden lediglich einige wenige Exemplare über Amazon verkauft“
  • Recherchezeitraum: drei Wochen

Ergebnis der weltweiten Internetrecherche: Das Lernsystem wurde weltweit vertrieben und über mindestens 12.000 mal verkauft. Zum Teil ohne Nennung des Autors und des Gestalters. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass das Bildmaterial aus diesem System auch in anderen Publikationen des Verlags ohne Genehmigung verwendet wurde. An Hand dieser Recherche konnte der Autor seine Ansprüche gegenüber den Verlag durchsetzen ...



Recherche in Betrugsfällen  nach oben
  • Recherchegegenstand: In Diesem Beispiel geht um die Zusammenhänge zwischen einer insolventen Versicherungsmarkler Agentur, deren „Tochtergesellschaft“ sowie einer Aktiengesellschaft (mit Hauptsitz in der Schweiz) bzw. deren verantwortlichen Geschäftsführern und Prokuristen u.a.. 
  • Auftraggeber: Mehrere Geschädigte aus dem Freundeskreis
  • Hintergrund: Über die Versicherungsmarkler Agentur und deren „Tochtergesellschaft“ wurden ab 2012 wertlosen Aktien einer Aktiengesellschaft (AG) vermittelt sowie sogenannte Tagesgelder im Namen der AG verwaltet. Über den Verbleib dieser Gelder (min. 350.000,- Euro) ist bis Heute wenig bekannt. Geschädigt wurden mindestens 20 Personen.

Ergebnis: Über die Webseite http://opfer.veano-gmbh.info konnten weitere Personen und Zeugen, die sich geschädigt fühlen auf uns aufmerksam gemacht werden und nahmen/nehmen Kontakt mit uns auf.

Durch eine intensive Recherche im Web konnten weitere Firmen und Personen ermittelt werden, die in diesem Fall involviert waren/sind. Mit diesen Daten befasst sich mittlerweile auch die Justiz, die sich durch diese Recherche ein besseres Bild der Sachlage machen kann.

Wichtiger Hinweis für Interessengemeinschaften, die in ähnlichen Fällen an die Öffentlichkeit gehen wollen:

Konsultieren Sie immer erst einen fachkundigen Anwalt, der Sie juristisch bei einem solchen „Projekt“ begleitet.
Veröffentlich Sie im Internet usw. nur Fakten, die Sie auch wirklich belegen können! Hierzu gehört auch eine intensive Internet-Recherche.
Vermeiden Sie in Hinblick auf das Persönlichkeitsrecht immer eine direkte Namensnennung oder Abbildungen von Personen, von denen Sie der Meinung sind, das diese Sie geschädigt haben.

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch darauf achten, das ein solcher Web-Auftritt möglichst Abmahnsicher aufgebaut ist - Beispiel: Impressum usw. Beauftragen Sie für einen solchhen Interrnetauftritt am besten einen erfahrenen Webdesigner, der sich vor allem in SEO (Webseiten-Optimierung) auskennt. Nichts ist ärgerlicher, als dass eine „Opferseite“ nicht gefunden wird.


Internetnachlass   nach oben
  • Recherchegegenstand: Recherche nach Account des Verstorbenen im Internet
  • Auftraggeber: Sohn des Verstorbenen
  • Hintergrund: 2009 verstarb der Vater des späteren Erbren. Da die Witwe das Erbe ablehnte und jede Angabe über den Nachlass verweigerte, beauftragte mich der Alleinerbe zu ermitteln welche Hinterlassenschaft und Internet-Konten noch vorhanden sein könnten.

Ergebnis: Anhand der damals vorliegenden Fakten, konnte sowohl das Privat.- als auch das Geschäftskonto des Verstorbenen ermittelt werden. Darüber hinaus wurden, nachdem der Privat.- und Firmenrechner dem Erben ausgehändigt wurde, private Konten bei Ebay und Amazon gefunden und entsprechen geschlossen werden. Wichtig war auch herauszufinden, dass der Verstorbene keine Schulden hatte bzw. offene Rechnungen bei Lieferanten.

Da der Verstorbene auch zwei Firmen betrieb bzw. kurz vor seinem Tod auflösen wollte, musste auch hier ermittelt werden, ob es noch weitere Geschäftspartner gab. Diese konnten anhand der jeweiligen Registereinträge und Firmendaten (auf dem ausgehändigten Rechners) recherchiert werden.

Dazu benötigte Unterlagen:

  • Erbschein
  • Kopie des Personalausweises des/der Erben
  • Vollmacht des bzw. der Erbberechtigten

Empfehlung: Eine solche umfangreiche Recherche sollte auf jedem Fall von einem Anwalt bzw Notar begleitet werden. ...